Gelesen:
Elena Ferrante
„Die Geschichte der getrennten Wege“


Und wieder ein Ferrante-Roman, der dritte in diesem Jahr.
Etwas Zwiespältiges rumort in mir. Wie schafft es Ferrante, diese Bücher zu schreiben? Sie schrammt haarscharf an der Trivialliteratur vorbei, nicht in der Art, WIE sie schreibt, sondern WAS sie schreibt. Beziehung, Beziehung, Beziehung, pornographische Details, die man nicht wirklich wissen möchte. Gleichzeitig ein Sittengemälde des Lebens in Neapel, der Camorra, das trotz allem dünn, dürftig und kraftlos bleibt, angebunden und personifiziert in dem Unsympathen Michele ….

Warum liest man trotzdem immer weiter und kann nicht aufhören? Warum fühlt man sich am Ende nicht leer wie nach einem Groschenroman? Warum sind diese Bücher dermaßen erfolgreich? Sie sind ganz gut geschrieben, literarische Leckerbissen, gar Kunstwerke, sind sie nicht. Sind NICHT Literatur sondern allenfalls literarische Unterhaltung.

Der erste Band – der kürzeste – ist in meinen Augen der bislang beste.

Die interessanteste Stelle im dritten Band fand ich die, als Lila von ihrer Arbeit in der Wurstfrabrik erzählt. Da war ich plötzlich ganz Ohr, das fand ich spannend, das machte mich betroffen …

Nino finde ich ziemlich langweilig, kein Rhett Butler, wie in „Vom Winde verweht“, an das mich das Ganze erinnert. (Das soll keineswegs einen Abwertung des Südstaatenschmökers sein!). Mir ist nicht klar, was Elena an Nino findet. Es macht mich betroffen, dass sie ihre beiden Mädchen für diesen janusköpfigen Schönling verlässt.

Dennis Scheck hat die ersten beiden Ferrante-Bände nicht verrissen – das fand ich nett von ihm.

Sind die Bücher autobiographisch? Ich glaube schon.

Ob ich den vierten Band auch noch lesen werde: Ich muss gestehen: Ich fürchte, ja!

Postskriptum im Juli 2019: Ich habe den vierten Band nicht mehr gelesen. Nach seinem Erscheinen habe ich in einer Buchhandlung eine halbe Stunde darin geblättert, die Seiten überflogen und ihn dann zurückgelegt; ich fand gegenüber den vorigen Bänden nichts Neues mehr darin.

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