Reisetagebuch Namibia – Kalahari

Die Camelthorne Lodge, unser erster Anlaufpunkt in Namibia, 300 Kilometer südwestlich von Windhoek, liegt mitten im 40 Grad heißen Sand der Kalahari, der sich je nach Sonneneinstrahlung ocker- oder roséfarben, manchmal tennisplatzrot färbt. Es gibt eine Empfangschefin, jemanden, der unsere Reisetaschen trägt, eine Restaurantchefin, alle stellen sich mit Vornamen vor: Hello, am Sarah, hello I am Joseph, I am Linda. Es gibt einen Pool, an dem Vögel nippen und Schmetterlinge rasten, manchmal sterben. Die Vögel sind paradiesblau und eidottergelb, die Schmetterlinge braunorange und grün, meistens aber weiß und klein wie Papierschnipsel. 

Die Abendsafari im offenen Gefährt unter Führung eines jungen Mannes („Hello, I am Andreas“) hat Oryx-Antilopen im Programm, Springböcke, Kudus, Langohr-Füchse, Erdmännchen, verlassene Straußeneier, ja sogar eine große Schildkröte, eine 90 Jahre alte Antiquität, die auch so aussieht – wie geschnitzt. Ich frage, ob sie zufüttern, was Andreas bejaht. Die Tiere würden sonst nicht überleben, es gibt zu wenig Grün. Eine große Salzpfanne, die wir durchfahren, war zum letzten Mal vor drei Jahren mit Wasser gefüllt, seither hat es nicht oder kaum mehr geregnet. Climate Change, sagt Andreas, hebt die Schultern und zeigt beim Lächeln seine unglaublich weißen Zähne. Auch die Löwin, die sich uns am Ende in einem abgezäunten – aber sehr großen – Terrain noch zeigt, hat, seit ihr Partner das Zeitliche gesegnet hat, aufgehört zu jagen und bekommt ihr Gnadenbrot oder besser -Fleisch von den Lodge-Betreibern.

Bevor wir die Löwin zu Gesicht bekommen, prüft Andreas, ob wir noch wissen, wie er heißt. Seine Art, zu erklären, erinnert ein wenig an den Unterricht in großen afrikanischen Grundschulklassen, mit vielen Wiederholungen und Floskeln. „What happened to the lion, is this: ….“ Wir zwinkern uns zu, stellen Fragen, meistens aber staunen wir.

Die Löwin hat sich just in time vor uns und für uns hingefläzt, als sei ihr Posieren mit der Hotelleitung abgesprochen, und als sich dann pünktlich zum Sundowner auf einem Dünenkamm mit Sekt, Gin Tonic und Knabberzeug auch noch der obligatorische Sonnenuntergang einstellt, den wir bei den Gewitterwolken und einer Miniminidusche längst abgeschrieben hatten, hören wir für diesen Abend endgültig auf, an Zufälle zu glauben: Das ganze Event ist von vorne bis hinten getürkt, ist eigens für uns Touries bestellt (ge-stellt?) 🙂 und die Hotelcrew mit dem lieben Gott im Bunde – mindestens! 

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