Reisetagebuch Israel/Palästina Tag 4 – Jericho, Totes Meer, Massada

Der Tag der unfassbaren Gegensätze: Eben noch Vogelparadies, nun Stein- und Staubwüste. Mit dem Passieren des Checkpoints zur Westbank wird ein Schalter umgelegt.

1994 wurde die Westbank aufgeteilt in drei Zonen: A = autonom + rein palästinensisch,
B = Bevölkerung palästinensisch, Kontrolle durch das Israelische Militär,
C = Bevölkerung und Militär Israelisch
Es gibt mehrere große Palästinensische Städte in der Westbank: Ramallah, Jericho, Nablus, Bethlehem, Hebron.

Eindrücke beim Durchfahren: Das Jordantal quasi ausgetrocknet, Zäune statt Bäume. Die Palästinenser haben mit diesem Teil der Westbank richtig, richtig die A….. Karte gezogen. Da willst du nicht wohnen, nicht für Geld. Kannst du doch nix anfangen mit so einem Land. Aber sie fangen was damit an. Sie pflanzen. Dattelpalm-Plantagen z. B., weil die wenig Wasser brauchen. Und anderes, was unter Plastikplanen lebt und ebenfalls kaum Wasser braucht oder keins.
Einen krasseren Gegensatz als das fruchtbare Galiläa und diese Mondlandschaft gibt es nicht.

Das Wort schön kommt einem hier nur schwer über die Lippen.

Jericho liegt 395 Meter UNTER dem Meeresspiegel. Es ist die tiefstgelegene UND älteste Siedlung der Welt. Warum wechselten die Menschen ausgerechnet HIER auf diesem unwirtlichsten aller Erdenflecken zur Sesshaftigkeit?
Dass sich gerade dort heute ein Ausbildungszentrum für junge Palästinenser *innen etabliert hat, erschließt sich mir dagegen auf Anhieb. Junge Männer und Frauen können hier einen Beruf erlernen oder die Voraussetzungen für ein Studium erwerben. Die Direktorin eine tapfere junge Frau, die wie eine Löwin dafür kämpft, dass ihre Jungs und Mädchen eine Zukunft haben. Am Geld darf es nicht scheitern und doch liegt alles daran. Die Begegnung ist für mich eins der Highlights dieser Reise.

Massada, erbaut von Herodes I. die letzte Festung der jüdischen Zeloten, zerstört durch Flavius Silva im Jahr 73 n. Chr., liegt wieder in Israel. Eine Art Nationalheiligtum der Juden, die in Scharen auf den Tafelberg pilgern. Die weitläufige Anlage erinnert mich an die Katharerburg Peyrepertuse in Südfrankreich. Rund 950 Menschen verschanzten sich hier vor den Römern, die eine Belagerungsrampe bis an die Festungsmauern aufschütteten, um diese mit Rammböcken zum Einsturz zu bringen. Als die Lage für die Eingeschlossenen aussichtlos wurde, töteten sie sich, um als freie Menschen zu sterben. Nur zwei Frauen und fünf Kinder überlebten und konnten später berichten, was geschehen war.

Für die Hitze an diesem Tag hier oben gibt es – ebenso wie für den Ausblick – nur ein Wort: Wahnsinn!

Am Ende geht der Tag baden – und wir mit. Das tote Meer, 400 Meter unter dem Meer, ist gar nicht so tot wie sein Name, sondern sanft und freundlich, es wiegt und schaukelt einen wie eine Mama. Salz der Erde. „Ich werde getragen“, wer diese Urerfahrung in seinem Leben noch nicht gemacht hat, kann sie hier nachholen.

Zur Übernachtung Rückkehr nach Jericho. Keine Posaunen bei unserer Ankunft wie damals vor 3000 Jahren, dafür der Gebetsruf des Muezzin von der nahegelegenen Moschee. Auch eindrucksvoll.

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